Die eigentlichen Gefahren für die Wissenschaft
12.09.2026
Ein Beitrag vom Fraktions- und Kreisvorsitzenden Dr. Florian Sander zum Artikel der „Neue Westfälische“ vom 11.09.2026 über eine politische Lage, welche die Hochschulen beschäftigt.
Neun Seiten AfD-Wahlprogramm reichen offenbar aus, um ein Bedrohungsszenario für die Hochschulen in Sachsen-Anhalt zu zeichnen. Die Neue Westfälische zählt einzelne Forderungen auf, fragt aber kaum danach, welche Probleme damit gelöst werden sollen und welche Argumente dahinterstehen. Statt inhaltlicher Auseinandersetzung dominieren „Angriff“, „Drohung“ und „Angst“. Dabei enthält das Programm konkrete, konstruktive Reformvorschläge: die Rückabwicklung des Bologna-Prozesses, die Abschaffung linksideologisch geprägter Gleichstellungsstrukturen und eine stärkere Grundfinanzierung der Hochschulen.
Auch die Präsidentin der Hochschule Bielefeld, Prof. Dr. Ingeborg Schramm-Wölk, beteiligt sich als Vizepräsidentin der Hochschulrektorenkonferenz an den Warnungen vor angeblichen „Gefahren für Wissenschaftsfreiheit und Hochschulautonomie“. Gerade von einer verbeamteten Hochschulpräsidentin wäre jedoch eine ausgewogene und konkrete, parteipolitisch neutrale Auseinandersetzung mit den politischen Forderungen zu erwarten. Umso bedauerlicher ist es, wenn Reformvorschläge bereits unter dem Blickwinkel möglicher Gefahren betrachtet werden, ihre Argumente und Zielsetzungen aber kaum eine Rolle spielen.
Noch deutlicher wird der Widerspruch bei Susanne Borkowski, Rektorin der Hochschule Magdeburg-Stendal. Sie spricht, noch bevor überhaupt eine AfD-Landesregierung auch nur annähernd im Amt ist, von angeblicher Bedrohung, äußerem Druck und notwendigen Schutzmaßnahmen. Gleichzeitig räumt sie ein, dass ihr bislang keine Rückmeldungen von Beschäftigten oder Studenten vorliegen, die wegen einer möglichen AfD-Regierung Hochschule oder Bundesland verlassen wollen.
Ein Zirkelschluss: So werden aus Reformvorschlägen Gefahren und aus vermuteten Folgen anschließend vermeintliche Belege dafür. Die AfD steht für Veränderungen und ist bereit, über diese zu diskutieren. Eine ernsthafte Debatte setzt aber voraus, sich mit den vollständigen Forderungen, ihren Begründungen und ihren Zielen auseinanderzusetzen. Einzelne Schlagworte herauszugreifen und anschließend das dazu passende Bedrohungsszenario zu zeichnen, ersetzt keine sachliche Auseinandersetzung. Wer unsere Hochschulpolitik kritisieren will, soll das tun. Aber bitte anhand dessen, was wir tatsächlich fordern.
Dr. Florian Sander, Fraktionsvorsitzender der AfD-Ratsfraktion Bielefeld, erklärt dazu: „Wer Reformen bereits als Bedrohung bezeichnet, bevor überhaupt eine politische Entscheidung getroffen wurde, ersetzt die sachliche Auseinandersetzung durch Angstmacherei. Hochschulen brauchen Wissenschaftsfreiheit. Dazu gehört aber auch die Freiheit, bestehende Strukturen politisch zu hinterfragen. Bezeichnend ist dabei auch, wie wenig Hochschulfunktionäre in der Vergangenheit alle möglichen linksliberalen Diversitätsvorgaben von oben als ‚Gefahren für die Hochschulautonomie‘ klassifiziert haben. Aber dreht sich der Wind in die andere Richtung, werden plötzlich die Schreckgespenster düstere autoritäre Systeme an die Wand gemalt – und das von Beamten, die sich in dieser Funktion eigentlich nicht parteipolitisch zu äußern haben.“