Rendite statt Heilung? Unter der Privatisierung der Pflege leidet auch OWL
Der Pflegeanbieter Kenbi – 2019 als digitaler Vorreiter in der Pflege gegründet – hat Insolvenz angemeldet. Trotz der Übernahme dreier insolventer Pflegedienste im Jahr 2024 und bundesweit 50 Standorten muss das Unternehmen nun selbst saniert werden. Betroffen sind auch zwei Standorte in OWL. Als Gründe nennt Kenbi gestiegene Kosten, insbesondere durch Tarifbindung und die sogenannten „Folgen der Corona-Pandemie“. Die teure Entwicklung digitaler Tools wurde Anfang 2025 eingestellt. Der Insolvenzverwalter prüft nun Sanierungsoptionen wie Investoren oder Vergleiche mit Gläubigern.
Die Insolvenz des Pflegeanbieters Kenbi ist leider kein Einzelfall, sondern ein Symptom eines krankenden Systems. Ein digital ambitioniertes Pflegeunternehmen, das an gestiegenen Kosten und strukturellen Problemen scheitert, ist in Wahrheit das vorhersehbare Ergebnis einer über Jahrzehnte forcierten Ökonomisierung des Gesundheitswesens. Wenn Pflegeeinrichtungen wie Konzerne geführt werden, bleibt zwangsläufig das auf der Strecke, worum es eigentlich gehen sollte: gute Pflege und sichere Arbeitsbedingungen. Kenbi steht exemplarisch für ein System, das mit privatwirtschaftlichen Methoden Pflege als lukrativen Markt und nicht als gesellschaftliche Aufgabe behandelt.
Dr. Florian Sander, gesundheitspolitischer Sprecher der AfD-Ratsgruppe Bielefeld und Oberbürgermeisterkandidat bei der diesjährigen Kommunalwahl, fällt ein vernichtendes Urteil: „Der Fall Kenbi reiht sich nahtlos ein in die Geschichte einer Branche, die sich seit der Gleichstellung privater und gemeinnütziger Träger, der Einführung von Fallpauschalen und der Gewinnorientierung immer weiter von ihrem eigentlichen Auftrag entfernt hat. Es ist höchste Zeit, Pflege und Gesundheit wieder als öffentliches Gut zu begreifen – bevor das nächste Unternehmen fällt und mit ihm erneut hunderte Existenzen und pflegebedürftige Menschen ebenfalls in eine existenzielle Ungewissheit gestürzt werden.“