Bielefeld wird von der Bahn im Stich Messenger
In der vergangenen Ratssitzung hat der Oberbürgermeisterkandidat und Vorsitzende der AfD-Ratsgruppe Bielefeld, Dr. Florian Sander, deutliche Worte zur katastrophalen Situation am Bielefelder Hauptbahnhof gefunden. Sander machte klar: Es geht längst nicht nur darum, wie oft ICEs in Bielefeld halten, sondern um die massiven Probleme mit Verspätungen, Informationschaos, fehlender Barrierefreiheit und unzureichender Betreuung vor Ort. Die Deutsche Bahn lässt Reisende – insbesondere Menschen mit Mobilitätseinschränkungen – im Stich. Unsere Forderung: Der Stadtrat muss ein starkes Signal setzen und sich mit aller Kraft für eine echte Verbesserung einsetzen! Hier die Rede im Wortlaut:
„Verehrter Herr Oberbürgermeister, liebe Kollegen, liebe Gäste!
Der Resolutionsantrag der Koalition trifft unsere Zustimmung, reicht aber noch nicht aus. Ja, es ist richtig und wichtig, dass die Fernverkehrsverbindung am Hauptbahnhof Bielefeld wieder intensiviert wird, und es handelt sich um eine sträfliche Vernachlässigung unserer Stadt, die die Deutsche Bahn da in letzter Zeit praktiziert. Aber dabei geht es – leider – nicht nur um die Häufigkeit der Verbindung, sondern auch noch um eine Menge anderer Dinge.
Denn bei dieser Bahn muss man inzwischen leider sagen: Selbst wenn LAUT PLAN wieder mehr ICEs in Bielefeld halten würden, so würde das noch nicht bedeuten, dass dieser PLAN auch in die Praxis umgesetzt würde. Mindestens jeder Pendler weiß, dass ich nicht übertreibe: Verspätungen sind oft noch die kleineren Probleme. Wenn ich von Berlin zurück nach Bielefeld fahren will, ist das eigentlich zu jeder Uhrzeit immer so ein kleiner Nervenkrieg, weil man nie sicher weiß, ob der Zug wirklich fährt und wenn ja, ob er denn auch ankommt bzw. dort ankommt, wo er ankommen soll. Ich saß vor einigen Monaten sogar mal in einem ICE, in dem das Zugpersonal wegen des Ausfalls der internen Kommunikationsanlage zeitweise selbst nicht wusste, welchen Bahnhof wir gerade anfahren, und nur durch Aus-dem-Fenster-gucken erfuhr, dass wir uns gerade in Braunschweig befanden. Mein Ratsgruppenkollege Kneller wird ja jetzt auch öfters die Freude haben, diese Absurditäten der Strecke Bielefeld-Berlin mitzuerleben, wobei der das Theater bislang wohl genauso auf der Strecke nach und von Düsseldorf hatte. Gegen dieses Chaos braucht es MINDESTENS verbesserte Information, sowohl online in der App und auf der Netzseite als auch am Bielefelder Hauptbahnhof selbst.
Dann, ein weiterer Punkt unseres Änderungsantrages: Das Personal am Bielefelder Hauptbahnhof muss dringend verstärkt werden. Ich weiß gar nicht, wie vielen hier im Saal solche Probleme eigentlich bewusst sind: Wer mit Mobilitätseinschränkung eine Fernverkehrsreise mit der DB antritt, befindet sich dabei nicht nur, wie auf hoher See, „in Gottes Hand“, sondern gibt auch jegliche Flexibilität auf, was den Kauf eines sogenannten Flex-Tickets zur Makulatur macht. Da ICEs noch immer nicht barrierefrei sind, müssen bis zum Vortagsabend bei der Mobilitätszentrale der DB Hilfeleistungen angemeldet werden – und wehe, man möchte dann am nächsten Tag doch spontan zu einem anderen Zeitpunkt fahren! Und wehe, man möchte vielleicht gar mal erst nach 22 Uhr in Bielefeld ankommen oder muss nachts fahren – das kann man sich am Hauptbahnhof Bielefeld als Mensch mit Mobilitätseinschränkung dann schön abschminken, denn dann ist kein Personal mehr vor Ort. Und zu den Dienstzeiten ist es nicht selten mit Hilfeleistungen „ausgebucht“, so dass nie mehr als eine gewisse, recht geringe Anzahl von Menschen mit Behinderung zur selben Zeit am Bahnhof starten oder ankommen kann (wird dann besonders witzig, wenn irgendwo gerade eine RehaCare-Messe stattfindet). Das alles dann zusätzlich zu dem Roulette-Spiel, das Zugfahrten mit der Deutschen Bahn SOWIESO schon darstellen. Das macht nicht nur keinen Spaß, sondern ist nichts anderes als eine Zumutung, die in Zeiten des Klimaschutzes umso schwerer wiegt.
Und dann Gnade Gott demjenigen, der sich darauf verlässt, dass alle zuständigen Abteilungen der Bahn – 3S-Zentrale, Mobilitätszentrale, DB-Info und Reisezentrum – koordiniert und Hand in Hand arbeiten. Pustekuchen! Die eine Hand weiß oft nicht, was die andere tut; Anrufe der Mobilitätszentrale bei der 3S-Zentrale landen im Nirgendwo, weil einfach niemand rangeht; Fahrgäste werden zwischen der Info und dem Reisezentrum hin und her geschickt, weil sich für allerlei Fragen niemand zuständig fühlt; oder die Info hat die Mobilitätszentrale nicht über neueste Defekte am Zug informiert oder andersherum usw. usf.
Ja, liebe Kollegen: Diese Probleme werden wir für die DB insgesamt hier vom Rat aus nicht lösen. Es wäre aber schon viel geholfen, wenn vom Rat ein starkes Signal ausgeht an die Bahn, dass wir das zumindest in UNSEREM Zuständigkeitsbereich, also am Hauptbahnhof Bielefeld und für die dort ankommenden und abfahrenden Reisenden, nicht mehr dulden wollen!
Daher bitte ich Sie herzlich um Zustimmung zu unserem Antrag. Und wenn Sie sich dazu vermutlich wieder nicht durchringen können: Machen Sie es, wie Sie es dann sonst immer machen – kopieren Sie es und machen einen eigenen Antrag draus. Soll uns auch recht sein. Hauptsache, es ändert sich was.
Vielen Dank!“