Wenn Unternehmen Brandmauern ziehen
Die aktuellen Reaktionen von Goldbeck, Melitta, Rossmann und anderen, auch ostwestfälischen Unternehmen zeigen, wie tief die Brandmauer-Debatte inzwischen in wirtschaftliche Entscheidungen hineinragt. Auslöser ist der Kurswechsel im Verband der Familienunternehmer, der Gesprächsbereitschaft gegenüber der AfD signalisiert hatte – wohlgemerkt ohne politische Nähe, sondern mit dem Hinweis auf demokratische Selbstverständlichkeiten.
Die Reaktionen fallen bemerkenswert einseitig aus: Goldbeck prüft den Verbandsaustritt, Rossmann kündigt ihn an, Vorwerk distanziert sich öffentlich. Sogenannte "Haltung", die faktisch eher Opportunismus ist, wird zum politischen Signal, und der Eindruck entsteht, dass moralische Abgrenzung wichtiger wird als die eigentliche Aufgabe eines Unternehmerverbands: Wirtschaftliche Interessen zu vertreten, nicht politische Filter zu errichten.
Für Bürger bleibt entscheidend, diese Entwicklungen nüchtern einzuordnen. Wenn Unternehmen „Haltung“ mit Ausgrenzung verwechseln, dann ist es legitim, auch die eigenen Rückschlüsse zu ziehen – über Glaubwürdigkeit, über Verantwortung und darüber, wem man sein Vertrauen schenken möchte. Dr. Florian Sander, Vorsitzender der AfD-Ratsfraktion Bielefeld, kommentiert: "Immerhin wissen unsere Wähler jetzt, welchen Kaffee sie besser nicht mehr kaufen sollten. Für uns hier in Bielefeld ist klar: Es schallt immer so aus dem Walde heraus, wie in ihn hineingerufen wird. Wir werden die Goldbeck-Entscheidung sehr genau verfolgen. Wenn Herr Goldbeck ernsthaft unter 'Haltung' versteht, bei der Brandmauer mitzumachen, wissen AfD-Wähler umgekehrt auch, wie sie sich zur Firma Goldbeck verhalten sollten."